"Künstliches Gelenk, was ist besser - mit oder ohne Zement?"
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Dr. Mottek – unser Experte antwortet:
11.09.2007: „Künstliches Gelenk, was ist besser - mit oder ohne Zement?“
„In der Zeitung war kürzlich zu lesen, dass in einer Klinik versehentlich Knieprothesen ohne Knochenzement eingebaut worden sind, die nur mit Zement hätten verwendet werden dürfen. Warum gibt es überhaupt noch unterschiedliche Kunstgelenke und was ist eigentlich besser, mit oder ohne Zement?"
Die Frage, ob zementfreie bzw. zementierte Kunstgelenke besser oder schlechter sind, lässt sich so pauschal nicht beantworten.
In der Anfangszeit des routinemäßigen Kunstgelenkersatzes an Hüfte und Knie - also vor etwa 40 Jahren - mussten alle Gelenkprothesen mit Knochenzement, einem speziellen 2-Komponenten-Kleber, eingesetzt werden. Erst in den 80er Jahren konnten sich mit der Entwicklung neuer Materialien und Prothesendesigns für die künstliche Hüfte zementfreie Modelle immer mehr durchsetzen. Aufgrund der guten Erfahrungen beim Hüftgelenkersatz wurde die zementfreie Technik dann auf den noch relativ neuen Oberflächenersatz des Kniegelenkes übertragen. Im Unterschied zur Anwendung am Hüftgelenk konnte sich die zementlose Implantation hier jedoch nicht in dem Umfang durchsetzen. Die theoretische, aber nicht bewiesene längere Standzeit einmal knöchern eingewachsener, zementfreier Prothesen konnte den Nachteil der manchmal nicht ausreichend stabilen Primärverankerung und eines daraus resultierenden Frühversagens nicht aufwiegen. Anders als beim Hüftgelenk, wo die Prothesenkomponenten in das Innere des Knochens eingebolzt (sogenannte press-fit-Verankerung) oder fest eingeschraubt werden, setzt man am Knie die Prothesenteile nur auf die Knochenoberfläche auf. Zudem ist es - auch dies weicht von den Verhältnissen am Hüftgelenk ab - häufig schwieriger im Falle einer notwendigen Wechseloperation nicht komplett gelockerte zementfreie Kunstgelenke so schadensfrei für den Knochen zu entfernen wie bei geklebten Teilen. Bei guten knöchernen Verhältnissen und jüngeren Patienten ist der zementlose Einbau zumindest der oberschenkelseitigen Kufe beim Kniegelenksersatz allerdings weiterhin eine gängige Alternative. Trotzdem werden zementfreie Prothesen für die Versorgung der Kniegelenksarthrose auf absehbare Zeit zahlenmäßig nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Beim Hüftgelenksersatz ist das Verhältnis zementfrei zu zementiert genau umgekehrt, obwohl sich in den letzten Jahren der (übertriebene) Trend, möglichst alle Prothesen zementlos einzusetzen, vernünftigerweise wieder abgeschwächt hat. Eine 80jährige Patientin wird keinerlei Vorteile von einer zementfreien Verankerung des Hüftschaftes haben, insbesondere, wenn der Knochen z.B. durch Osteoporose keine gute Qualität mehr besitzt. Hier gewährleistet die Verwendung zementierter Prothesen nicht nur eine sofortige, volle Belastbarkeit, sondern auch eine vergleichbare Standzeit, die Anwendung der exakten Zementiertechnik vorausgesetzt.
Der zementfreie und der zementierte Einbau von Kunstgelenken werden nebeneinander ihre Berechtigung behalten, wobei die Bedeutung beider Verankerungstechniken an Knie und Hüfte unterschiedlich bleiben wird. Die Entscheidung für oder gegen eine Zementierung hängt nicht zuletzt von der speziellen Situation des Patienten ab.
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