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"Stimmt es, dass Kunstgelenke nur ungefähr 10 Jahre halten?"

Thema: 
Dr. Mottek

Aufgrund immer wiederkehrender Fragen hat endoportal.de einen virtuellen Fachmann engagiert.

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Dr. Mottek – unser Experte antwortet:

28.08.2007: „Stimmt es, dass Kunstgelenke nur ungefähr 10 Jahre halten?“

Solche, immer wieder zu hörende Meinungen sind in der heutigen Zeit sicher zu pessimistisch. Vielleicht rührt diese Zahl auch von der in der medizinischen Wissenschaft verwendeten „10-Jahres-Überlebensrate“ von künstlichen Gelenken her, mit der die Qualität eines Prothesenmodells oder die Arbeit einer Klinik verglichen werden. Die Überlebensrate, die gute und sehr gute Operationsergebnisse nach 10 Jahren einschließt, liegt zum Teil weit über 90%, d.h. statistisch sind mindestens 9 von 10 Patienten auch nach diesem Zeitraum zufrieden mit ihrem Kunstgelenk und weisen keine Lockerungszeichen auf. Patienten, die vor mehr als 20-25 Jahren mit einer künstlichen Hüfte versorgt worden sind und heute noch im Röntgen einen völlig unauffälligen Sitz der Prothese zeigen, sind keine Exoten. Voraussetzung für eine gute Funktion und eine lange Standzeit sind natürlich damals wie heute eine korrekte Platzierung und Dimensionierung der Komponenten und eine optimale Verankerungstechnik v.a. bei zementierten Implantaten. Wichtige Parameter für das Langzeitergebnis, die der Operateur nicht direkt beeinflussen kann, sind die Qualität des Knochens und das Verhalten des Patienten nach der Operation.

In den letzten beiden Jahrzehnten hat es zudem enorme technische Weiterentwicklungen in der Endoprothetik gegeben. Bei den Hüftgelenken haben sich Implantate aus Titanlegierungen für die zementfreie Verankerung zahlenmäßig an die Spitze gesetzt. Beim Knie stehen nicht miteinander gekoppelte Oberflächenersatzprothesen mit einem immer besseren, dem natürlichen Knie ähnlicheren Design zur Verfügung. Da man außerdem nachgewiesen hat, dass die feinen Kunststoff-Abriebpartikel eine schleichende Entzündungsreaktion nach sich ziehen, die wiederum eine Lockerung der metallischen Kunstgelenkkomponenten im Knochen verursachen können, hat die Industrie neue, festere Materialien für die in den meisten Prothesen verwendeten Kunststoff-Zwischenstücke entwickelt. Mit diesem hoch- oder sogar ultrahochvernetztem Polyethylen wird der Abrieb zwischen den Gleitpartnern insbesondere nach vielen Jahren erheblich reduziert.

Aufbauend auf den insgesamt guten Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte kann man mit den wesentlich verbesserten, modernen Kunstgelenken den Patienten heute berechtigte Hoffnungen machen, dass sie mit ihrer Gelenkprothese deutlich länger als die viel zitierten 10 Jahre glücklich sein werden. Standzeiten von 20 Jahren und mehr sind keine Utopie.

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