Belastbarkeit einer Hüft-TEP durch Sport, welche ist die Beste?
Sehr geehrter Herr Dr. Mottek, bei mir ist ein Gelenkersatz für die linke Hüfte erforderlich. Über das Internet habe ich mich über OP-Techniken, Endoprothesen zementfrei/mit Zement eingesetzt informiert. Da ich ein sportlich seht aktiver Mensch bin und das auch nach meiner OP bleiben möchte, suche ich die für mich optimale Endoprothese. Ich bin weiblich und 63 Jahre alt und wollte diese Endoprothese möglichst nie mehr ersetzen müssen. Für die Haltbarkeit einer Hüftprothese sind neben dem Geschick der Operateurs auch die Wahl des Prothesentyps, die Herstellerfirma, die Implantationstechnik sowie die Gleitpaarung von Kopf und Pfanne entscheidend. Zementfrei eingesetzte Prothesen aus Titan sollen sich seltener lockern und haben eine längere Lebensdauer. Auch eine ungünstige Kombination der Gleitpaarung, die Abrieb erzeugt, kann zur Lockerung der Endoprothese führen. Keramik kann brechen, wie verhält sich Keramik bei Stürzen? Können Sie mir eine Herstellerfirma und Endoprothese empfehlen, wo diese Risiken weitestgehend auszuschließen sind. Vielen Dank im Voraus E.H.
Verfasst von Anonymous am 29. Juli 2008 - 11:27

Die ideale HTEP-Versorgung
Verfasst von Dr. Mottek am 30. Juli 2008 - 16:30. Das sind eine ganze Menge Fragen, die man teilweise auch garnicht so eindeutig beantworten kann. Ich muss zudem aufpassen, dass ich mich nicht zu sehr auf meine eigene Philosophie bei der Versorgung von Coxarthrosen jüngerer, aktiver Patienten beschränke und mich politisch nicht zu weit aus dem Fenster lehne. Zunächst möchte ich Ihnen zustimmen, dass nach der korrekten Arbeit des Operateurs die Art und Qualität der Hardware, also des Prothesenmodells eine nicht unwichtige Rolle spielt. Dies trifft auf den Patienten mit 75+ weniger zu, hier ist die Prothese als Solches nicht wirklich entscheidend - wenn vernünftig eingesetzt. Auch das Thema Abrieb stellt sich dort heutzutage praktisch nicht. Entscheidend ist allein bzw. vordergründig die Funktion und die Sicherheit (insbesondere Luxationsrisiko) des künstlichen Gelenkes, welches natürlich mit der gleichen Sorgfalt implantiert werden sollte wie immer. Bei den jungen Patienten, und als offensichtlich noch sehr aktiven Menschen möchte ich Sie dazu zählen, kommt dem Prothesenmodell und der Gleitpaarung eine erheblich größere Bedeutung zu, weil die erwünschte Standzeit doch meist weit über 20 Jahre liegen soll und die jährliche "Laufleistung" inklusive Belastungsspitzen durch Sport zudem viel höher ist als bei älteren Menschen.Leider werden die Patienten in Deutschland häufig garnicht über die Möglichkeiten eines (sinnvollen) Upgradings informiert, weil der Preisdruck in den Krankenhäusern eigentlich keinen Raum gibt für die routinemäßige Verwendung teurerer Spezialprothesen bzw. Gleitpaarungen, andererseits die Option einer Zuzahlung wie es alle vom Zahnarzt kennen, politisch derzeit noch sehr schwierig zu kommunizieren ist. Aber nun endlich zu ihrer speziellen Situation: Mit 63 und dabei fit sollte für Sie mindestens eine gute, möglichst komplett zementfreie Standardversorgung mit einem Keramikkopf und einem hochvernetzten Polyethyleninlay Verwendung finden. Dies ist für solche Patienten durchaus Standard und natürlich mitnichten eine (entgeltpflichtige) Sonderleistung. Es gibt dabei nicht das eine beste Modell der Firma X, hier sollte man auf die Erfahrung des guten Operateurs vertrauen, manchmal verbietet sich aus anatomischen Gründen sogar der Einsatz eines bestimmten Schaftdesigns, der wiederum bei einem anderen Patienten ideal ist. Bezüglich der Keramik-Keramik-Gleitpaarung ist einerseits zu sagen, dass der Abrieb definitiv geringer ist und auch langfristig keine Partikel entstehen wie beim PE, die entzündungsbedingte Lockerungen verursachen können. Die Gefahr eines Keramikbruches ist bei korrekter Anwendung, die etwas anspruchsvoller als bei einem PE-Inlay ist, viel geringer als oft behauptet und durch die neuen Deltakeramik-Komponenten zudem nochmals reduziert. Das Risiko besteht allerdings theoretisch und ist dann ein nicht gerade kleines Problem, weil es schwierig ist evtl. im Gelenk verteilte Splitter zu entfernen. Für junge Patienten (also auch für Sie) bleibt aber die Keramik-Keramik-Gleitpaarung weiterhin eine sehr sinnvolle Option, wenn man eine klassische Schaftprothese oder aber einen Kurzschaft verwendet. Sie erlaubt zudem den großzügigen Einsatz größerer Köpfe, d.h. 36mm und mehr. Wieder im Kommen sind Metall-Metall-Großkopfversorgungen oder ganz neu Metall-Keramik. Der letztgenannte Kurzschaft ist ein weiteres Spezialprodukt für junge Patienten, der knochensparender als ein normaler Schaft implantiert werden kann und nach definitiver knöcherner Einheilung theoretisch eine bessere Krafteinleitung in den Oberschenkelknochen besitzt. Bei Abweichungen von der normalen Anatomie kann man sie aber nicht einsetzen und es bedarf einer sehr guten Knochenqualität. Für Sie gilt deshalb vor der Frage, ob irgendwelche Sonderversorgungen überhaupt in Frage kommen (und mit 63 würde ich mich nicht auf übertriebene Experimente einlassen): wie gut ist Ihre Knochendichte? Denn auch bei der letzten Alternative, dem Hüftoberflächenersatz, der sogenannten Kappe, gehören Sie mit Anfang 60 und zudem als Frau (dies ist kein Machospruch, sondern einfach bedingt durch die statistisch deutlich geringere Knochenfestigkeit bei Frauen nach der Menopause) nicht zu der klassischen Zielgruppe. Bei sehr guter Knochenqualität und geeigneter Hüftanatomie wären Sie nach meiner persönlichen Meinung und nach einer entsprechenden Aufklärung über die unstrittigen Vorteile der Kappe, aber auch die speziellen Risiken des Oberflächenersatzes durchaus noch ein möglicher Kandidat für eine solche Versorgung. Ich hoffe, ich habe Sie nicht noch mehr durcheinander gebracht, Ihr Dr. MottekTEP und danach wieder Sport
Verfasst von Anonymous (n.a.) am 26. Dezember 2011 - 20:15. Guten Tag, als Betroffener, der am 14.05.2011 operiert wurde, kann ich Ihren Ausführungen voll zustimmen. Ich habe 35 Jahre Langstreckensport von 1500m bis Marathon betrieben. Ich hatte dadurch einen großen Vorteil, dass mein Muskelfleisch sehrgut ist und auch die Sehnen. Laut Arzt habe ich eine gute Knochendichte und möchte ab 01.01 2012 wieder mit leichtem Jogging beginnen. Durch die OP habe ich eine wiedergewonnene Lebensqualität erhalten. Leute die noch nie langen Laufsport betrieben haben, sollten mit Bedacht und relativ weichem Untergrund( Waldboden oder Tartanbahn) wieder trainieren können ohne aber keinen falschen Ergeiz zu haben. Ich bin 64 Jahre alt, männlich, 187 cm lang und wiege 93 kg. Zum Schluß sei noch erwähnt, dass der Arzt nur bekleidend helfen kann. Vom Patient muß mind . 50% Bereitschaft und Wille kommen, denn vieles spielt sich im Kopf ab!! Mit sportlichem Gruß Frank. O.Kommentar hinzufügen