Osteomyelitis? und Knie-TEP

Sehr geehrter Herr Dr. Mottek, ich habe folgendes Problem: Ich hatte vor ca. 15 Jahren eine Staphylokokken aureus und Enterokokken-Infektion im Knie und an der Osteosynthese-Platte (wg. Tibiakopftrümmerfraktur). Die ganze Behandlung zog sich dann über fast 1 Jahr hin, mit ständigen Arthrolysen, Spülungen und schließlich Ausbau der Platte und Einsetzen einer Gentamcin-Kette... Durch die folgliche sehr starke Arthrose und Arthrofibrose bekam ich dann nach 6 Jahren eine Knie-TEP. Leider wurden meine Allergien (Nickel-Kobalt) nicht beachtet und ich bekam eine z.T. CoCrMo-legierte, unzementierte TEP (Natural-Knie, Fa. Zimmer). Ich hatte anschließend nie "Ruhe" in dem Bein: ständige Schmerzen in Ruhe und v.a. nat. bei Belastung, Schwellungen, Überwärmung. Erst nach 4 Jahren wurde eine offene Arthrolyse durchgeführt, dabei das Knie ca. 20min. mit Antibiotika gespühlt und das Inlay gewechselt. Der CRP lag damals bei 9, anschließend normalisierte er sich und schwankt seitdem (3,3,mg/l - 9 mg/l, BSG 11/22 - 34/47, außerdem ständige Anämie, auch B-12 Anämie). Im histologischen Befund steht: "chronisch-granulierende, fibrosierende, unspezifische Synovialitis mit rezidivierenden Blutungen..., an der Oberfläche entzündlich infiltrierte verplumpte, aufgetriebene Membrana synovialis mit Blutungsresiduen, Abschnittweise knotenförmig aufgetriebenes...Fasegewebe, an der freien Oberfläche kondensiertes Fibrin". Der Knochen unter der TEP sei an der Notch sehr weich. Ein halbes Jahr und 1 Jahr später wurde eine Szintigraphie gemacht: "mäßige Mehrspeicherung im Gelenkschleimhautniveau in der Perfusions- und Frühphase und greinge Mehrspeicherung im Knochenscan periprothetisch des femoralen und tibialen TEP-Anteils"...Einmal hieß es die TEP sei locker, dann aber wieder doch nicht. Ich habe auf Grund der Schmerzen (nehme u.a. Morphin und Lyrika) Angst, dass es sich doch um einen Infekt handelt. Mein Arzt ist für Abwarten, was mir mal mehr mal weniger gelingt. Nun habe ich mir Rat bei einem Arzt in Österreich geholt: er meinte es handelt sich sehr wahrscheinlich doch um einen Low-grade-infekt mit einem nicht so aggressiven Keim und er würde mir den Austausch der TEP auf eine TiN-TEP (wg. Allergíe) und Unterfütterung mit Vanco-Spongiosa... (einzeitig)raten. Was sagen Sie zu den Befunden? Raten Sie zu einem Austausch, wenn ja, wie und welche TEP bei Allergie raten Sie? Was sagen Sie zu der Vancomycin-angereicherten Spongiosa, welche es ja hier in Dtl. noch nicht gibt? Sollte ich mich darauf einlassen? Vielen Dank für Ihre Mühe, den doch sehr langen Text zu lesen - über eine Antwort würde ich mich sehr freuen! VG Steffi
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einzeitiger Austausch

Ich denke auch, dass ein low-grade-Infekt wahrscheinlicher ist als eine Fremdkörperreaktion im Zusammenhang mit der im Raum stehenden Metallallergie. Ich persönlich würde keinen einzeitigen Wechsel machen, wenn ich die Diagnose nicht gesichert habe, auch wenn das Vancomycin sicher gegen jeden Keim wirksam ist. Zwar sind die ewigen Pausen zwischen Aus- und Wiedereinbau mit Spacern als Interimslösung in letzter Zeit etwas aus der Mode gekommen, weil diese nicht lange als Antibiotikareservoir aktiv sind und danach ähnlich wie die Prothese als Fremdkörper und "Rückzugsgebiet" für die Keime dienen können. Bei unsicherer Genese halte ich jedoch eine 2-3 wöchige Spacerbehandlung (etwa so lange funktioniert die Antibiotikaabgabe und genauso lange dauert es bis die mikrobiologischen und histologischen Untersuchungen fertig sind) und dann den definitiven Wiedereinbau nach spätestens 3 Wochen unter Verwendung eines speziellen Knochenzementes für die beste Alternative. Es gibt hierzu jedoch in Fachkreisen verschiedene Auffassungen und dies entspricht meiner persönlich präfertierten Vorgehensweise. Bezüglich der in Frage kommenden Prothesen: Man kann (fast) alle Prothesen mit Titannitrit beschichten. Alternativ stehen die Oxiniumprothesen der Fa. S+N zur Verfügung, die nicht gesondert beschichtet werden müssen. Gibt es auch als Revisionssystem, allerdings nicht als gekoppelte Variante. MfG Dr. Mottek    
Ihr Dr. Mottek

Ihre Antwort

Sehr geehrter Herr Dr. Mottek, vielen herzlichen Dank für Ihre Antwort! Kann ich Ihrer Antwort entnehmen, dass Sie Prothesen aus Oxinium den TiN-beschichteten vorziehen würden? Und können sie mir evtl. noch sagen, ob es schon ausreichend Untersuchungen mit diesem "Vanco-Spongiosa" gibt oder ob Sie dieses Verfahren eher mit Skepsis sehen? Mir wurde dies geraten, weil damit wohl eher wieder ein Austausch möglich sei (ich bin noch keine 40) und damit auch effektiver das AB wirken kann als bei Zement. Mein Hadern besteht in der Haltbarkeit und Festigkeit...oder wird es tatsächlich in festen Knochen umgewandelt? MfG Steffi
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Antwort

Mit der "Vanco Spongiosa" habe ich selbst keine Erfahrungen, würde mein Statement allein auf bisher noch nicht gesicherte Fremdstudien beziehen. Wenn man keine gekoppelte Prothese braucht, gibt es für alle anderen Versorgungsvarianten die Oxinium-Komponenten. Die braucht man nicht gesondert beschichten, sie sind sofort in allen Größen verfügbar und auch nicht teurer als die gesondert nachbehandelten Komponenten. Ansonsten sind sie sicher nicht besser. MfG Dr. Mottek    
Ihr Dr. Mottek

Vielen Dank

Hallo Dr. Mottek, vielen Dank für Ihre Antworten, sie helfen mir schon sehr weiter! MfG Steffi
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Viel Glück, Dr. Mottek

Viel Glück, Dr. Mottek
Ihr Dr. Mottek

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