Eine ganz kurze Geschichte der Akupunktur (Teil I)

Am Anfang war der Pfeil, der den schon verwundeten Krieger am Handgelenk traf; und er spürte trotz der zusätzlichen Verletzung ein Nachlassen seiner Schmerzen. Nach dieser sogenannten Pfeiltheorie stellen wir uns heute die Entstehungsgeschichte einer medizinischen Behanlungsform vor, die vor etwa fünftausend Jahren im heutigen China ihren Anfang nahm.

Nach dem Prinzip der Empirie - Lernen durch Beobachten und Erfahrungsammeln - wurden immer weitere Punkte am Körper und Punktkombinationenentdeckt. Das Setzen von kleinen Holzspießen, die später von Stahlnadeln abgelöst wurden, half, wie sich herausstellte nicht nur gegen Schmerzen, sondern fand auch wirksamen Eingang in die Behandlung internistischer, neurologischer oder allergischer Erkrankungen.
Heute kennen wir ein komplexes System an Haupt- und Nebenmeridianen,die unsere Körperoberfläche wie Flüsse durchziehen. Nach der traditionellen Lehrmeinung strömt unsere Lebensenergie Qi konstant im 2-Stunden-Rhythmus und in immer gleicher Reihenfolge durch diese Körperbahnen. Durch äußere Faktoren (Hitze, Kälte, Feuchtigkeit,Wind, Überlastung) kann es zu einer Verlangsamung der Fließgeschwindigkeit, Stauungen oder Energieverlusten kommen.
Ein kleines Beispiel: Kälte ist ein pathogener (krankmachender) Faktor für die Niere. Nach den Fünf Elementen ist die Niere das Yin-Leit-Organ für das Wasserelement, das energetisch das Knochen- und Knorpelgewebe bilanziert. Kälte kann deshalb nicht nur eine Nieren-Blasen-Entzündung verursachen, sondern verschlimmert häufig Knochen- undGelenkbeschwerden (denken Sie an den letzten Frost, oder an die lindernde Wärme im letzten Sommerurlaub am Mittelmeer!). Der erfahrene Akupunkteur wird im Rahmen einer Schmerztherapie bei chronischen Gelenkbeschwerden deshalb oft das Yin Ihrer Niere stärken.
Aufgepaßt? Dann haben Sie soeben gelernt, daß eine angemessene Akupunkturbehandlung nicht nach einem symptombezogen festgelegten Schema durchgeführt werden darf. Vielmehr bedarf es zur sinnvollen Punktauswahl zwischen behandelndem Arzt und seinem Patienten einer intensiven, informativen Kommunikation; nur so können die erwünschten ganzheitlich energetischen Therapieeffekte erzielt werden. Deshalbwerden bei einem Krankheitsbild nicht immer die selben Punkte behandelt; und deshalb, Sie ahnen es schon, gibt es so viele Punkte.
Im Grunde verhält es sich wie beim Zubereiten eines Gastmahles: Sie sollten die Vorlieben und Abneigungen Ihres Gastes erfragen oder bereits kennen, die passenden Beilagen, Zutaten und Gewürze auswählen, ein Schuß Intuition und Fingerspitzengefühl, und das Essen nicht zuheiß oder kalt servieren (natürlich können Sie auch eine Instant-Suppe herstellen, aber Ihr Gast wird dann vermutlich enttäuscht sein).

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