Interview mit Nordic Walking Trainer
ein Gespräch mit Andreas Gorenz - zertifizierter Nordic-Walking-Trainer
Nordic Walking – die neue Trendsportart aus Finnland, gewinnt auch in Deutschland zunehmend an Popularität. Herr Gorenz, wie schätzen Sie die weitere Entwicklung ein?
Fakt ist, dass Nordic Walking populär bleiben wird, weil es eine Sportart für die ältere Generation ist und die Krankenkassen die Wichtigkeit der Prävention zunehmend in den Fokus rücken. Aber es ist auch für die jün-gere Generation eine Sportart als Ausgleich für den Computerjob – Laufen scheint zu anstrengend, wobei flottes Gehen eher praktiziert wird.
Wie sieht die Resonanz auf Kursangebote für Nordic Walking in Deutschland aus?
Man muss dabei sehr stark zwischen Ost und West unterscheiden. In Westdeutschland ist die Resonanz sehr gut, der Sport ist besonders im Norden beliebt. Die Hochburgen für Nordic Walking liegen im Schwarzwald und in Hamburg. In den östlichen Bundesländern ist die Popularität dagegen viel geringer. Schnupperkurse für 15 bis 20 Personen werden hier kaum voll. Allerdings haben Harald Fichtner und Christian Röhrs, die Pioniere des Nordic Walking in Deutschland, den Sport auch vor allem im Westen ins Blickfeld gebracht.
Nordic Walking wird als Sportart für Jedermann gepriesen. Stimmt das, oder gibt es medizinische Ausschlusskriterien?
Im Prinzip ist es tatsächlich eine Sportart für Jedermann. Doch gerade am Anfang des Nordic Walking haben einige Menschen Koordinationsschwierigkeiten. An und für sich würde ich diese Aussage allerdings unterstützen. Nordic Walking schont die Gelenke, da die Belastung geringer ist. Es ist eine Sportart für die ganze Familie, von acht bis achtundachtzig Jahren.
Nordic Walking war ursprünglich das Sommertraining für Skilangläufer. Wie schwierig ist es Ihrer Meinung nach, den richtigen Bewegungsablauf zu erlernen?
Das ist von der Intensität des Trainings abhängig. Viele machen den Fehler, dass sie nicht diagonal laufen, sondern im Passgang. Am Anfang werden daher die Stöcke über den Boden geschleift, damit die ersten zwei bis drei Minuten normal gelaufen werden kann. So soll ein bewusstes Gefühl für das diagonale Laufen entstehen. Die Arbeit mit den Händen kann zu Beginn ein Hindernis sein, das aber wirklich leicht zu überwinden ist.
Was würden Sie Anfängern empfehlen? Braucht ein Nordic Walker bestimmte Voraussetzungen und ist das Belegen eines Kurses sinnvoll?
Als Anfänger sollte man nicht gleich auf Teufel komm raus versuchen, einen Nordic-Walking-Marathon zu gewinnen. Man sollte kurze Distanzen laufen - eine halbe Stunde – nicht übereifrig, sondern sollte auf die ge-sundheitlichen und körperlichen Voraussetzungen beim Training achten! Viele denken, dass ein einstündiger Kurs ausreicht. Aber es gibt viele Dinge zu berücksichtigen. Ich würde Anfängern immer empfehlen, einen Kurs zu belegen. Auf Fehler muss hingewiesen werden, damit sie zukünftig vermieden werden. Erst nach einem sechs- bis achtstündigen Kurs ist Nordic Walking meiner Meinung nach das effektive Ganzkörpertraining, das es bei richtiger Ausführung sein kann.
Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach die richtige Ausrüstung?
Die Handschlaufen sind sehr wichtig. Sie müssen die Hand gut umschließen, weil beim Zurückführen des Stockes die Möglichkeit fehlt, ihn gut zu fassen. Der Einsatz der Hände, das Fassen und Loslassen der Stöcke, bezieht den ganzen Oberkörper mit in das Training ein. Es sollte darauf geachtet werden, keine Teleskopstöcke - eigentlich Wanderstöcke - zu verwenden. Deren Verbindungsstück ruft Vibrationen hervor, die von den Gelenken aufgenommen werden und sie somit belasten. Ein Teleskopstock ist außerdem anfälliger für Brüche. Besser ist ein Stock aus Glasfaser und Carbon. Je höher der Carbonanteil eines Stockes ist, desto geringer sind die Schwingung und die Belastung für die Gelenke. Aluminiumstöcke sind zwar kostengünstiger, aber nicht so gut für die Gelenke.
Worauf muss man speziell bei der Ausrüstung achten?
Man sollte sich nicht auf Berechnungsformeln für die Stocklänge (Körper-größe x 0,66/0,67) verlassen, denn der Körperbau der Menschen ist sehr unterschiedlich. Die Stöcke in der Hand sollten, wenn man sie auf dem Boden aufsetzt, den Ellenbogen im rechten Winkel beugen – beim Anfänger allerdings sollte der Winkel leicht abfallen, weil die Technik des Nordic Walking so leichter zu erlernen ist.
Warum ist Nordic Walking so vorteilhaft für unsere Gesundheit? Birgt der Sport auch Risiken?
Der Sportler bewegt sich in der Natur und in der Gemeinschaft. Es werden nicht nur die unteren Extremitäten trainiert, sondern der ganze Körper. Die verschiedenen Techniken lassen sich je nach Leistungsstärke variieren. Nordic Walking kann Sportmuffel langsam wieder an sportliche Aktivität heranführen. Allerdings könnten Menschen zu übereifrig sein. Jeder hat eine eigene Leistungsgrenze, die beachtet werden sollte, um gesundheitliche Risiken wie z.B. Hyperventilieren oder Aufmerksamkeitsdefizite zu vermeiden.
