Das Maß aller Dinge: Standdauer und Langzeitfunktion der Endoprothesen

Minimal invasiv implantierte Endoprothesen

Welche Endoprothesen können minimal invasiv implantiert werden?

1. Kniegelenkersatz

Am Knie werden schon seit einigen Jahren verschiedene unikondyläre Schlittenprothesen (teilweiser Gelenkersatz meist der inneren Hälfte des Knie) über kleine Zugangswege implantiert. Beim vollständigen Oberflächenersatz ist die Auswahl von Endoprothesensystemen, die minimal invasiv implantiert werden können, bisher noch nicht sehr groß. Dies liegt weniger an den Knieimplantaten selbst, die sich letztlich kaum von den herkömmlichen unterscheiden. Vielmehr ist eine enorme Entwicklungsarbeit der Einbauinstrumentarien erforderlich, deren Umfang und Bedeutung beim Knie eine größere Rolle spielen als beim Hüftgelenkersatz. Die neue Technik kann nicht bei allen Patienten angewendet werden. Bestimmte Gelenkfehlstellungen müssen weiterhin auf klassischem Wege versorgt werden.

2. Hüftgelenkersatz

Bei der Hüfte können prinzipiell fast alle Prothesentypen minimal invasiv eingesetzt werden, wobei sich einige Prothesendesigns besser eignen als andere. Es existieren mehrere, teilweise sehr verschiedene Zugangswege, von denen sich noch keiner als alleiniger Standard durchgesetzt hat.

Maß aller Dinge: Standdauer und Langzeitfunktion

Einige Experten konstatieren für die minimal invasiven Techniken bereits eine neue Ära in der Endoprothetik und sehen die Eingriffe als den künftigen Standard. Andere betrachten das Thema nur als vorübergehende Modeerscheinung und Werbegag. Diese Auseinandersetzung gab es bei der Einführung der neuen Methoden schon sehr oft, wenn man an die Diskussionen zu Beginn der arthroskopischen Kniechirurgie oder der laparoskopischen Gallenblasenoperationen erinnert. Heute werden praktisch jede Meniskusoperation und fast alle Gallenblasenentfernungen endoskopisch durchgeführt.

Für die minimal invasive Endoprothetik ist es noch zu früh, um abschließende Urteile abgeben zu können. Unstrittig ist, dass diese Form des Gelenkersatzes auch langfristig den Vergleich mit konventionell eingesetzten Prothesen bestehen muss. Die schnellere Rehabilitation steht außer Zweifel und ist durch mehrere Studien nachgewiesen. Dies darf jedoch nicht auf Kosten der Standdauer und Langzeitfunktion gehen. Es muss diesbezüglich ein mindestens gleiches Ergebnis erreicht, wenn nicht gar übertroffen werden, um den höheren Aufwand der Operationen zu rechtfertigen. Dies gilt gleichermaßen für die teuren Navigationssysteme, wo einige prophezeien, dass in ferner Zukunft fast alle Operationen navigiert werden. Insbesondere die erfahrenen Operateure machen dagegen – sicher nicht unberechtigt – geltend, dass für den Standardeingriff ohne vorliegende anatomische Besonderheiten des Gelenkes keinerlei Vorteile entstehen.

Minimal invasiver Eingriff – ja oder nein?

Für Patienten, die vor einem gelenkersetzenden Eingriff stehen, können die neuen Techniken eine interessante Alternative darstellen. Die Vorteile der Gelenkschonung und der schnellen Erholung sind attraktiv. Patienten sollten sich bei ihrem behandelnden Arzt erkundigen, ob eine minimal invasive Operation für sie in Frage kommt. Bei der Entscheidung für einen minimal invasiven Eingriff ist die Entscheidung für einen qualifizierten und erfahrenen Operateur empfehlenswert.

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