Eine ganz kurze Geschichte der Akupunktur (Teil II)
Vor etwa 40 Jahren begann China, sich wirtschaftlich und politisch zu
öffnen und die TCM (Traditionelle Chinesiche Medizin) einschließlich der
Akupunktur hielt Einzug in die westliche Hemisphäre. Unser wachsendes
Gesundheitsbewußtsein und die Kenntnis von medikamentösen Nebenwirkungen
beschleunigten diesen Trend. ( In den neunziger Jahren verstarben allein
in den USA jährlich zwischen 80.000 und 120.000 Menschen an den Folgen
unerwünschter Nebenwirkungen einer formal korrekten medikamentösen
Therapie).
Aber alles Neue ist gleichzeitig auch fremd, und deshalb wurden
zunehmend Fragen aufgeworfen und medial diskutiert:
- Wirkt Akupunktur überhaupt oder handelt es sich um einen reinen Placeboeffekt?
- Wenn Akupunktur wirkt, dann wie?
- Gibt es weitere Akupunktursysteme?
Seither sind einige Akupunktursysteme neu entdeckt oder ergänzt worden;
es handelt sich dabei um so genannte Mikroakupunktsysteme (MAPS), bei
denen der gesamte menschliche Körper auf eine meist kleine Körperregion
projeziert und dort behandelt wird.
- Auriculomedizin
- YNSA
- Akupunktur nach Gleditsch
- Hand- und Fingersysteme
Auf den Franzosen Nogier geht die in Europa weit verbreitete
Ohrakupunktur zurück. Der Japaner Yamamoto entdeckte so genannte
Somatotope am Schädel und entwickelte daraus die Yamamoto New Scalp
Acupuncture. Nach dem Deutschen Gleditsch ist die weniger gebräuchliche
Mundakupunktur benannt. Hand und Fingersysteme wurden weiter erforscht
(Korea, Deutschland).
Die oben erwähnten und weitere MAPS können eigenständig und in
Kombination, auch mit der TCM eingesetzt werden.
In der Suchttherapie (Nikotin, Eßstörungen) beispielsweise wird die
Ohrakupunktur bevorzugt. Zur Behandlung eines Tinnitus oder bei
Lähmungen nach einem Schlaganfall ist nach derzeitiger Studienlage die
YNSA die erfolgversprechendste Variante.
Aha! Also noch mehr Punkte und Mapse. Dabei wissen wir immer noch nicht
genau ob überhaupt und wie Akupunktur wirkt.
Seit den siebziger Jahren wird in der westlichen Medizin intensiv nach
der Wirkungsweiseder Akupunktur zur Schmerztherapie geforscht. Dabei
geben zwei Hauptrichtungen den Ton an.
1) Transmitter-Theorie: Durch die Stimulation definierter Körperpunkte
werden im Gehirn vermehrt Botenstoffe wie Serotonine und Endorphine
("Glückshormone") ausgeschüttet, die zentral die Schmerzwahrnehmung senken.
2) Gate-Control-Theorie: Der Schmerz wird von Nervenbahnen vom
Ausgangspunkt zum Gehirn geleitet.Durch die Akupunkturnadel wird eine
schneller leitende, parallele Nervenbahn aktiviert, die den Schmerz
sozusagen überholt, die Schmerzbahn kontrolliert oder blockiert.
Beides klingt gut! Aber Beweise? Trotz high-tech-engeneering bleibt die
Wirkungsweise der Akupunktur ein "fernöstliches Geheimnis".
Aber: Akupunktur ist weltweit die inzwischen am umfassendsten auf die
Wirksamkeit hin untersuchte Therapieform überhaupt! Auf Initiative der
Gesetzlichen Krankenkassen erfolgten in Deutschland flächendeckend
mehrjährige randomisierte Vergleichsstudien zur Schmerztherapie zwischen
Akupunktur und der herkömmlichen konservativen Therapie
(Krankengymnastik, Massagen, Medikamente, etc). Das Ergebnis der
Modell-Akupunktur sowie der Gerac-Studie wurde in den Medien zwar
widersprüchlich diskutiert, war aber insgesamt eindeutig: die Akupunktur
hatte die Nase ziemlich weit vorn!
Also: kein Placebo! Akupunktur ist signifikant wirksamer als die
herkömmliche konservative Schmerztherapie.
