"Osteoporose - Fotografische Einblicke." Eine versteckte Krankheit wird sichtbar.

Ort der Ausstellung ist das Umspannwerk Humboldt im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Das ehemalige Industriegebäude besitzt eine eigentümliche, leicht düstere Atmosphäre. Fensterlose Wände halten das Tageslicht fern. Das Logo der Ausstellung, der weiße Schriftzug „Osteoporosis“ auf schwarzem Untergrund, das den Besuchern auf den Plakaten entgegen scheint, passt dazu. Die Knochenkrankheit Osteoporose - eine dunkle Geschichte?

Im Eingangsbereich lese ich Zitate über die wichtigsten Krankheitsfakten. Dort heißt es: „Innerhalb der Europäischen Union erleidet alle 30 Sekunden jemand einen osteoporosebedingten Knochenbruch“. Diese Frakturen sollten nicht unterschätzt werden. Etwa eine von fünf Frauen über 50, die einen hüftnahen Oberschenkelhalsbruch erlitten haben, stirbt innerhalb eines Jahres an den Folgen medizinischer Komplikationen des Bruches.

An der nächsten Wand hängen Porträtfotos von 24 Menschen. Sie haben sich für das Fotoprojekt zur Verfügung gestellt. Es sind Männer und Frauen unterschiedlichen Alters, aus Ländern der ganzen Welt – mit einer Gemeinsamkeit: alle sind an Osteoporose erkrankt.

Einige Schritte weiter gelange ich in den zentralen Bereich der Ausstellung – zu den Aktfotos. Auch wenn ich vorher über die Bilder informiert war, übertrifft der persönliche Eindruck meine Vorstellungen um ein Vielfaches. Die Fotos sind 2,80 Meter hoch, so dass die abgebildeten Personen den Betrachter weit überragen. Die Menschen sind nackt und blicken aufrecht in die Kamera. Von jeder Person sind drei Aufnahmen zu sehen – von vorne, von der Seite und von hinten. Die Tafeln sind in einer Art Dreieck angeordnet. Die Bilder erhalten durch diese Präsentation einen kunstvollen Charakter. Einen Kontrast bildet der unerbittliche, fast harte Blick des Fotografen auf die Körper. Die Abbildungen kaschieren keine körperliche Unregelmäßigkeit. Oberkörper sehen aus, als ob sie zusammengedrückt worden sind. Es ist bedrückend, zu sehen, wie Osteoporose den menschlichen Körper verformt.

AnnaAnnaAuf kleinen Zusatztafeln erfahre ich mehr über die Menschen auf den Fotos. Sie beschreiben ihre Erfahrungen mit der Krankheit. Viele haben im Laufe ihres Lebens an Körpergröße
verloren. Brüche von Wirbelknochen lassen den Körper schrumpfen. „Die Krankheit hat mich im wahrsten Sinne des Wortes klein gekriegt. Ich bin nur noch 1,49 Meter groß,“ schreibt die 98jährige Anna aus Belgien, sie ist mittlerweile 15 Zentimeter kleiner als früher. Seit über 30 Jahren leidet sie an Osteoporose. Sie nimmt an, dass sie nicht so viele Knochenbrüche hätte erleiden müssen, wenn die Medikamente schon früher wirkungsvoller gewesen wären. Ihr wären wahrscheinlich viele Schmerzen erspart geblieben.

DanDanAuch Dan aus den USA ist durch die Osteoporose viel
kleiner geworden. Er misst 1,42 Meter, er war einmal 1,69 Meter groß.
Der 50jährige ist auf den Rollstuhl angewiesen. Seine Knochen sind sehr porös geworden, er ist zwölf Mal an Hüfte und Beinen operiert worden. Seine Unterschenkel werden durch Stahlplatten und –nägel zusammen gehalten. Dan ist durch die Krankheit stark eingeschränkt. Vor allem seine Familie hilft ihm, seine positive Lebenseinstellung zu bewahren.

Osteoporose trifft auch junge Menschen, wie das Beispiel von Isabelle aus Deutschland zeigt. Sie war 24, als die Krankheit bei ihr festgestellt wurde. Das „heimtückische Ge-Brechen“, wie sie es nennt, ereilte sie nach der Geburt ihres Sohnes.
Sie litt unter starken Rückenschmerzen, die kein Arzt richtig diagnostizieren konnte. Erst nach einem Vierteljahr wurden als Ursache der Beschwerden drei osteoporosebedingte Wirbelkörperbrüche festgestellt. Isabelle begann eine Behandlung, mittlerweile sind ihre Knochen fester geworden. Ihr geht es wieder gut.

IsabelleIsabelleIm letzten Teil der Ausstellung läuft ein Film, in dem Osteoporose-Kranke aus aller Welt über ihre Erfahrungen berichten und anderen Mut machen. Ein Leben mit der Krankheit ist möglich, doch muss sie überhaupt erkannt werden, damit sie richtig behandelt werden kann.

Der Film entschlüsselt auch das Logo der weißen Buchstaben auf weißem Grund: sie stehen für Knochen, die sich zur Wirbelsäule zusammenfügen. Es ist eine Spielerei, die ein wenig an die Utensilien einer Geisterbahn erinnert. Doch das Bild steht für einen essentiell Umstand: es ist das Rückgrat, das den Menschen aufrecht hält. Jeder einzelne sollte dafür sorgen, dass das so bleibt. Die beste Methode gegen Osteoporose ist Vorbeugung.

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